Covid-19 - Social Distancing: Das dominante Thema (ab?) 2020?

Die Covid-19 Pandemie hat so ziemlich alle - mich eingeschlossen - wenig bis völlig unvorbereitet getroffen. Wenn mir jemand im Januar oder Februar gesagt hätte, wie mein und unser Alltag Mitte April aussieht, hätte ich ihn einen Verschwörungstheoretiker, Schwarzmaler oder was auch immer genannt. Jetzt ist es Realität und im Moment kann niemand zuverlässig sagen, wie lange diese Realität anhält und ob wir uns auf eine neue Form der "Normalität" einstellen müssen.

Wichtig: Ich möchte nicht über den Sinn von Social Distancing, Schul-, Kindergarten oder KiTa-Schließungen, behördlich verordnete Schließungen, Ausgangsbeschränkungen oder -sperren, Abstands- und Hygieneregeln usw. schreiben oder diskutieren. Der Fokus hier soll sein: Ideen und Gedanken entwickeln, wie wir mir dieser Tatsache umgehen können. 

Und dieses Internet...

Der eine oder andere mag sagen, dass Covid-19 ein wahnsinniger Brandbeschleuniger für die Digitalisierung ist: Homeoffice und Möglichkeiten für mobiles Arbeiten entstehen an Stellen und in Unternehmen in denen das vor ein paar Monaten undenkbar war. Online-Konferenzen werden als Möglichkeit wahrgenommen, auch in Zeiten des Social Distancing Themen und Dinge voran zu treiben. Onlineshops und Bestell- und Liefermöglichkeiten schießen auch im lokalen Einzelhandel und in der Gastro aus dem Boden.

ABER als jemand, der schon seit paar Jahren digital arbeitet muss ich auch folgendes sagen:

Noch nie war ich im Homeoffice so ineffektiv und ineffizient, wie in den Wochen in denen mein kleiner Zweijähriger dank KiTa-Schließung ebenfalls "Homeoffice" macht. Schon seit Jahren habe ich nicht mehr so viele Bemerkungen und Beschwerden von Kunden und Freunden gehört, dass die Technik im "Homeoffice" streikt oder nicht funktioniert. Und die Online-Konferenzen und Web-Meetings, denen ich beiwohnen darf, sind in letzter Zeit wieder stärker von Technik-Probleme geplagt, die Webshops, Bestell- und Liefermöglichkeiten von lokalen Einzelhändlern und Gastronomen sind gut, aber setzen alle auf den gleichen Standardmöglichkeiten auf und es fehlen teilweise bequeme Methoden, die alle anderen im Onlinehandel schon seit Jahren kennen und nutzen.

Ich finde es eine sehr wichtige und mutige Entscheidung von jedem lokalen Unternehmer, Einzelhändler und Gastronomen, der schnell und kurzfristig mobiles Arbeiten, Homeoffice, Web-Meetings und Onlineshops für ihre Mitarbeiter und Kunden anbietet und ermöglicht. Ich bin aber überzeugt, dass keine noch so tolle "lauffähig in unter 4 Stunden" Lösung mehr als ein Pflaster ist und sein wird.

Im Moment ist dieses Pflaster sehr wichtig, notwendig und sichert hoffentlich vielen Unternehmen ihren Fortbestand und den damit verbundenen Unternehmern, Angestellten und Familien ein Auskommen. Wenn diese Situation länger anhält (wovon ich aktuell ausgehe), wird dieses Pflaster meiner Meinung nach nicht ausreichen um rechtskonform (ArbSchG, DSGVO, UWG, ...) weiterarbeiten zu können und sich im Online-Haifischbecken mit dem selben Geschäftsmodell gegen die großen Fische (Amazon und Co) durchzusetzen.

Und jetzt?

Ich denke wir alle werden in den kommenden Wochen und Monaten vieles lernen - auch Dinge, die wir vorher nie auf dem Schirm hatten. Wenn sich das anfängliche Entsetzen über die neue Realität und die Euphorie über die technischen Möglichkeiten gelegt haben, werden wir bemerken dass ein "über diesen Link kommt ihr mit eurem privaten Rechner auf euren dienstlichen Arbeitsplatz" und ein "hier ist mein Onlineshop von der Stange, in den ich schnell meine meistverkauften Produkte gepackt habe" ähnliche Erfolgswahrscheinlichkeiten haben, als wenn man ein paar Blümchen ins Fenster stellt, ein Schild darüber hängt, ein bisschen Ware in ein Regal stellt, sich daneben hinter eine Kasse setzt und auf zahlende Kunden wartet. 

Ich bin überzeugt, dass die digitalisierte Welt und 'dieses Internet' für die allermeisten von uns Möglichkeiten bieten, diese Krise abzufedern oder aufzufangen. Dazu braucht es eine ordentliche Portion Kreativität, Lernbereitschaft und Durchhaltevermögen - und nicht jeder kann diese Transformation aus eigener Kraft heraus stemmen. Ähnlich wie mit den meisten Dingen: traut euch bitte einfach um Hilfe zu Fragen und hinterfragt die Antwort und den Antwortgeber. Nicht jeder 'unabhängige Digitalisierungsexperte' ist so unabhängig wie er vorgibt, und nicht jeder Experte ist auch einer...

Ich persönlich bin schon länger der Überzeugung "IT matters" und versuche das mit meinem fachlichen Hintergrund in die Breite zu tragen - Disclaimer: Ganz unabhängig bin ich dabei nicht, ich möchte schließlich auch etwas verkaufen ;-)  

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